Zunächst eine gute Nachricht für alle Schmerzpatienten

Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der Web-Seite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st mit, dass alle gesetzlich Krankenversicherte mittlerweile einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen.

ISCHÄMISCHE POLYNEUROPATHIE
ischämiebedingte, durchblutungsbedingte Polyneuropathien

Der Begriff "ischämische Polyneuropathie"

"Ischämische" bzw. Ischämie bezeichnet eine Blutleere oder Minderdurchblutung (Durchblutungsstörungen) eines Gewebes infolge unzureichender oder fehlender arterieller (= die Schlagader betreffender) Blutzufuhr infolge Einengung bzw. Verschluß der Gefäßlichtung.
Das Wort Polyn europathie setzt sich zusammen aus "poly" (= viel, mehr als normal), neuro (= Nerven betreffend) und "pathie" (= Leiden, Schaden, Krankheit).

Ursache für eine ischämiebedingte bzw. durchblutungsbedingte Polyn europathie ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Diese führt allmählich zu einer ischämische n Gewebs- bzw. Nervenstörung.

Wissenschaftliche Untersuchungen zur ischämischen Polyn europathie finden Sie hier: http://vts.uni-ulm.de/query/longview.meta.asp?document_id=5322

Nicht selten ist die ischäm ische Polyn europathie mit einer d iabetischen Polneuropathie kombiniert, da arterielle Durchblutungsstörungen auch im Rahmen eines Diabetes mellitus (= die Zuckerkrankheit) auftreten können. Diese Kombination beschreibt der Begriff "diabetischer Fuß".

Die ersten Anzeichen einer ischämische n Polyn europathie treten hpts. in den F üßen, ganz selten auch in den Hän den auf:

Im fortgeschrittenen Stadium führt die ischäm ische Polyn europathie zu brennenden Dauerschmerzen im Versorgungsgebiet peripherer (= außerhalb Rückenmark und Gehirn verlaufender) Ner ven, Parästhesien (= Fehlempfindungen), Hyperästhesien (= gesteigerte Empfindlichkeit für Sinnesreize) und Hyperpathien (= gesteigerte Berührungsempfindlichkeiten), Druckschmerzhaftigkeit von Ner ven und Mus keln sowie evtl. motorischen (= die Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand et Rumpl 1988), teilweise auch Wadenkrämpfe. In schweren Fällen kann es zu motorischen (= die Muskelkraft betreffenden) Ausfällen mit Gangstörungen kommen kommen.
Schmerzattacken wie bei einer Neuralgie sind sehr selten.
Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindlichkeit). Der brennen de Schmerzcharakter kann manchmal zur Verwechslung mit einer Kausalgie führen.

Untersuchung:
Die ischäm ische Polyn europathie führt zu Hypo- bis Areflexie (= Abschwächung bis hin zu Ausfall der Muskeleigenreflexe), Ausfälle im Vibrationsempfinden (Pallhypästhesie bis hin zu Pallanästhesie im Stimmgabelversuch) und Störungen der Sudomotorik (= Schweißverhalten) auf, die von Lähmungen begleitet sein können.
Je nach Verteilungsmuster unterscheidet man symmetrische und asymmetrische, rein sensorische (= die Empfindlichkeit betreffende) oder sensorisch-motorische (= die Empfindlichkeit und Muskelkraft betreffende) Formen von Polyneuropathien.
Bei einer ischämische n Polyn europathie liegt in der Regel eine distale, weitgehend symmetrische, primär sensible Polyn europathie vor.
EMG (Elektromyographie) und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) sichern die Diagnose.

Kausale (= auf die Ursache gerichtete) Therapie der ischämische n Polyneuropathie:

Symptomatische (= auf die Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie einer ischämische n Polyneuropathie:

Physikalische Therapie der Polyneuropathie (ischämische):
Eine Vielzahl von Methoden sind geeignet, das Schmerz bild einigermaßen erträglich zu halten. Zu erwähnen wären besonders kalte oder warme Wickel, Wechselbäder, Kneipp`sche Güsse oder eine oberflächliche Kryobehandlung (= Kältebehandlung) mit Kondensationsdampf aus flüssigem Stickstoff oder Kaltluftgenerator.
In einigen Fällen kann auch eine Linderung mit transkutaner Nervenstimulation (TENS) mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden herbeigeführt werden.

Neuerdings führen wir auch bei der ischämische n Polyneuropathie im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschen kel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Durch die Verbesserung der Durchblutung wird der Stoffwechsel der Nervenzellen optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).
Auch eine sog. Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.

Spezielle Schmerztherapie

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Polyneuropathie:
Wiederholte
Nervenblockade n - Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer) Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung nicht nur symptomatisch (= nur auf Krankheitszeichen ausgerichtete), sondern auch kurativ (= auf die Ursache ausgerichtet).Die ausgeprägte Mehrdurchblutung führt auch zu einer Optimierung eines gestörten und damit potentiell schmerzauslösenden Metabolismus (= Stoffwechsel) der Nervenzellen.

Im Bereich der oberen Ex tremitäten (= Ar me) (ganz selten bei der ischämische n Polyneuropathie) bietet sich die Blockade des Plexus brachialis (= großes Armnervengeflecht) an, optimal kontinuierlich mit Katheter. Im Bereich der unteren Ex tremitäten (= B eine) kann, besonders bei distal (= weiter unten) betonten Schmerzen, zunächst der Nervus ischiadicus wiederholt blockiert werden. Nach probatorisch guter Wirkung empfiehlt sich zur Durchführung einer kontinuierlichen (repetitiven) Blockade die Einpflanzung eines Katheters (* siehe unten).
Bei den häufig vorkommenden sockenförmigen Beschwerden gilt es jedoch zu bedenken, daß im Knöchelbereich auch der Nervus saphenus beteiligt sein kann, der dann in die Blockadetherapie mit einbezogen werden muß. Bei Beschwerden im Bereich der unteren Ex tremitäten (= B eine) kann auch eine niedrig dosierte peridurale (= rückenmarknahe) Blockade durchgeführt werden. Dabei gilt, daß eine Therapie mit Leitungsblockaden dann optimal ist, wenn diese möglichst kontinuierlich durchgeführt werden, d.h., die Folgeblockade sollte immer dann gesetzt werden, wenn die vorhergehende eben abgeklungen ist. Dieser Forderung wird am ehesten die Kathetertechnik gerecht (* siehe unten). In der Regel reicht eine geringe Lokalanästhetika-Dosierung aus (z.B. Bupivacain 0,125 bis 0,15%).
Zur Therapie werden auch Sak ralblockaden (= rückenmarknahe Blockade durch eine Öffnung im Kr euzbein hindurch) empfohlen (Kossmann et al. 1988).

Fast regelmäßig kommt es nach einer intensiven Blockadebehandlung auch bei der ischämische n Polyneuropathie zu einer Besserung der Pallästhesie (= Vibrationsempfinden), so daß sich die diesbezügliche Untersuchung zur Objektivierung eines Behandlungserfolges eignet.

Intravasale (= in ein Blutgefäß verabreichte) Lokalanästhetika-Gabe:
Bei polyneuropathischen Beschwerden im Beinbereich hat sich die wiederholte intraarterielle (= in die Schlagader) Einspritzung eines Lokalanästhetikum s (= örtliches Betäubungsmittel) (z.B. Lidocain in niedriger Konzentration) gut bewährt. Dabei verabreichen wir eine Serie von ca. 10 Injektionen in die Arteria femoral is (= Schlagader im vorderen Oberschenkel) an aufeinander folgenden Tagen, jeweils 1x täglich. Um die Traumatisierung (= Verletzung) der Arterienwand möglichst gering zu halten, wird eine sehr dünne Kanüle verwendet. In der Regel geben die Patienten unmittelbar nach dem Einspritzen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Wärmegefühl im behandelten Bein an.

Sehr gute Erfolge sehen wir, wenn bei der Polyneuropathie oben beschriebene Nervenblockade n mit einer Infusionsserie kombiniert wird. Der Infusionslösung (z.B. 500 ml NaCl) werden 1-1,5 mg/kg Körpergewicht Lidocain zugesetzt.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Nerven mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner ven oder das betroffene Nervengeflecht eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel in den Katheter auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.

Besteht die ischämische Polyneuropathie bzw. der dadurch verursachte Nervenschmerz längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, hilfreich ist auch ein Schmerzbewältigungstraining.

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Aktualisiert: >23.04.2008</> kusb&
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